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Butterwoche und Lebkuchen-Motive

Im 17. und 18. Jh. wurden Lebkuchen mit Fuhrwerken auf die großen Märkte des Landes geliefert. Jahrhundertelang waren die alten russischen Städte Wjasma und Ustjug, Wologda und Moskau, Nischni Nowgorod, Gorodez und Twer für ihre Lebkuchen berühmt.

Lebkuchen hatten unterschiedliche Ausmaße und Formen, von winzig kleinen Oblaten (sie wurden nach Gewicht verkauft) bis hin zu riesengroßen, einige Meter langen Laiben. Auf Jahrmärkten wurden extra Öfen zum Backen größerer Lebkuchen auf Bestellung eingerichtet. So beförderte man einst in Twer zu einer Hochzeit einen Lebkuchen mit zwei Fuhrwerken. Um ihn ins Haus zu tragen, musste man die Tür aus den Angeln heben und diesen kolossalen Laib auf der Tür zur Tafel tragen.

Anlässlich der Geburt des Zaren Peter I. wurde zur Einhaltung des Brauchs" ein Gastmahl im Facettenpalast veranstaltet, bei dem ungeheure Lebkuchen einen Ehrenplatz einnahmen. Einer davon trug das Wappen des Moskauer Staates.

Lebkuchen gibt es ab dem Zeitpunkt, als der Mensch Getreide bearbeiten lernte", sagt Natalja Gontscharowa, Kuratorin der Ausstellung und Konservatorin der Sammlung. Damals begann man, aus Teig Figuren zu kneten. Sie hatten irgendeine magische Bedeutung, weil sie im Stall aufgestellt und dem Vieh mit dem Futter gegeben wurden, um den Zuwachs zu verdoppeln. Die herkömmlichen Lebkuchen-Motive der Alten Rus sind die Lieblingsgestalten der Volkskunst: Löwen, Fische, Vögel, Bojarenhäuser, Doppeladler, Zopfmuster, Reiter und Pferde. Dokumentarisch belegt ist, dass Iwan Grosny Lebkuchen austeilte. Dieses Wort wurde schon im 16. Jh. verwendet. Daran aber, dass es bedruckte Lebkuchen viel früher, schon im 12. Jh. gegeben hat, zweifle ich nicht. Lebkuchen wurden laut alten Chroniken von Mönchen auf lange Reisen mitgenommen. Es war sowohl ein Talisman als auch ein gesundes Lebensmittel, das seine geschmacklichen und nutritiven Eigenschaften lange behielt.

Die allerersten Lebkuchen wurden mit der Hand gemacht. Man nennt sie Knetkuchen, und sie wurden auch nach Belieben geknetet, je nach dem Können des Bäckers und seinem Schönheitsbegriff.

Anschließend wurden bedruckte Lebkuchen erfunden; man buk sie mit Hilfe von Holzplatten, in die ein Bild eingeschnitzt war. Es war nicht einfach, da es sich dabei um ein Konterrelief handelte, d. h. das Bild bzw. die Inschrift wurde spiegelverkehrt geschnitzt, deshalb setzte man Hartholz ein, das zugleich aber auch geschmeidig sein musste. Bedruckte Lebkuchen stellten wahre Kunstwerke dar und waren für wichtige Gelegenheiten bestimmt.

Dann entstanden einfachere Silhouetten-Lebkuchen. Die Backform, die aus gebogenen Metallbändern bestand und die Konturen eines Tiers oder Vogels nachbildete, wurde auf den Teig gestellt; die ausgeschnittenen Figur wurde gebacken und der noch heiße Lebkuchen mit Zuckerglasur bestrichen. Solche Lebkuchen waren eine Süßigkeit für Kinder und Erwachsene.

Zur Süßigkeit wurde der Lebkuchen erst im 19. Jh, vordem hatte er eine rituelle Bedeutung, als Geschenkartikel, eine festliche", erzählte uns Natalja Gontscharowa. Der Lebkuchen war generell ein teures Vergnügen. Dabei war er allen Schichten der Gesellschaft zugänglich. Es kam nur auf die Zusammensetzung des Teigs, die Verzierung und Größe des Lebkuchens an. Bei einer ärmeren Familie war auch der Lebkuchen kleiner und schlichter geschmückt, bei einer reicheren war es ein Prachtwerk."

Die Hauptzutaten des Lebkuchenteigs sind stets Mehl und Honig, der Rest hängt von der Fantasie und dem Können ab. Bekanntlich zeichneten sich die schneeweißen bedruckten Lebkuchen aus Twer durch ihren Minzgeschmack und originelle Aufmachung aus. Die berühmten Silhouetten-Lebkuchen aus Archangelsk, kosuli genannt, wurden mit bunter Zuckerglasur überzogen. Lebkuchen wurden an Bettler verteilt, zum Zeichen der Liebe geschenkt. Im 18. Jh. wurde sogar ein Lebkuchen-Alphabet" gebacken.

Der Lebkuchen steht immer für Fest, bedeutet immer Freude, Kinderspiel", so die Kuratorin der Ausstellung. Es hat sogar Druckformen mit einem Satz von Bildern gegeben - mit ihnen wurden die sogenannten Satz-Lebkuchen hergestellt. Kinder sammelten einzelne kleine Lebkuchen, um sie dann zu einem einheitlichen Bild zu fügen (gleich dem heutigen Puzzle). Dasselbe war auch beim Alphabet der Fall: man sammelte einzelne Lebkuchen-Buchstaben, aus ihnen setzte sich dann ein Lebkuchen-Alphabet‛ zusammen."

Die Ehren-Lebkuchen", die zum Schenken gedacht waren, wurden mit Blattgold und bunten Zuckern" überzogen, sie wirkten eher wie kostbare Lackfarbe als wie eine Süßigkeit. Daher kommt auch der Ausdruck Blattgold-Lebkuchen", d. h. vergoldeter Lebkuchen. Die Ausstellung zeigt Lebkuchen, die über zweihundert Jahre alt sind, sich aber in einem ausgezeichneten Erhaltungszustand befinden. Die Lieblingsfrage der Journalisten, die gewöhnlich gestellt wird, betrifft den Teig, aus welchem Lebkuchen gemacht wurden. Doch lässt sich die Frage nicht beantworten, meint Natalja Gontscharowa:

Es hat eine Vielzahl an einzelnen Rezepten gegeben, sie lassen sich kaum aufzählen. Auch war es schon immer ein sehr großes Geheimnis, das von einer Generation der Lebkuchenbäcker zur anderen weitergegeben wurde. Etwa wurden die schneeweißen Minz-Lebkuchen nur in Twer gebacken, in anderen Städten Russlands gab es keine ähnlichen. Nischni Nowgorod war für seine prächtigen Lebkuchen-Drucktafeln bekannt, auf denen Bojarenhäuser abgebildet waren: altrussische Holzpaläste mit vergoldeten Fähnchen und Doppeladlern auf Türmchen, mit Fenstern und Gittern, die mit bunter Zuckerglasur und Blattgold überzogen waren. Stellen Sie sich nur mal vor, was für ein kostbarer Gegenstand auf dem Tisch stand, man konnte sich an ihn gar nicht heranwagen! Ich glaube, dieser Lebkuchen wurde nur aus diesem Grund nicht aufgegessen."

In der Ausstellung kann man nicht nur die Erzeugnisse der alten Meister des Lebkuchenbackens bewundern, sondern auch sich selbst in dieser Kunst üben. In einem Meisterkurs lernt man Lebkuchen mit bunter Zuckerglasur überziehen.

Heute werden die berühmtesten Lebkuchen Russlands in Tula produziert. Nach den Olympischen Winterspielen in Sotschi sollen demnächst Lebkuchen mit Olympia-Symbolen erhältlich sein. Natalja Gontscharowa wartet ungeduldig auf diesen Augenblick, um sie für die Sammlung des Historischen Museums zu erwerben.

Die Ausstellung zum Thema russischer Lebkuchen geht zugleich mit der Butterwoche zu Ende. An diesem Tag isst man nach russischem Brauch Pfannkuchen, verbrennt die Puppe des Winters, vergibt einander alle Verfehlungen und nimmt von der Butterwoche Abschied bis zum nächsten Jahr.


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