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Falsche Schriftsteller und geheimnisvolle Werke

Der größte Teil der antiken Texte wurde von Schreibern vervollständigt, und im 17. Jahrhundert behauptete der gelehrte Jesuit Hardouin, dass nur Homer, Herodot, Cicero, Plinius, die Satiren" von Horaz und Vergils Georgica" echt seien - alles andere seien glänzende Nachahmungen aus dem Mittelalter.

Moderne Gelehrte halten auch Homer für eine Fälschung: seine Person sei erdacht und Ilias" und Odyssee" Früchte einer kollektiven Arbeit. Das Mittelalter kann durchaus als Goldenes Zeitalter der Mystifizierer bezeichnet werden. Damals erlaubte das Verhältnis der Menschen zur Literatur, hervorragende Imitate zu erstellen: Der Autor war nur das Medium für den göttlichen Willen, deshalb wurden fremde Texte ohne Gewissensqualen ergänzt oder umgeschrieben. Natürlich konnte unter diesem Deckmantel jede beliebige Fälschung verborgen werden. In Europa gab es einen Boom für literarische Funde: Es wurden nicht nur verlorengegangene Gedichte von Catull, Dramen von Sophokles und Satiren von Juvenal gefunden, sondern auch biblische Texte.

Den mittelalterlichen Literaten gebührt Respekt: Sie waren wahre Meister der Fälschung und statteten ihre Meisterwerke genial aus. Die Manuskripte wurden auf alt getrimmt, sie wurden unter geheimnisvollen Umständen in aufgegebenen Schlössern und alten Klöstern aufgefunden. Viele der Imitate wurden erst Jahrhunderte später entlarvt.

So war es den Italienern gelungen, auf hervorragende Weise antike Autoren zu fälschen, und mit der Einführung des Buchdrucks wurde die Sache erheblich einfacher. 1498 veröffentlichte Annio da Viterbo in Rom Werkesammlungen von Sempronius, Cato und vielen anderen, die er angeblich in Mantua gefunden haben wollte, in Wirklichkeit aber selbst verfasst hatte. Der Franziskanermönch Guevara publizierte einen philosophischen Roman von Marc Aurel, den er in Florenz "gefunden" hatte. Das Buch hatte großen Erfolg, aber später enthüllte eine Analyse die Mystifikation. Im 18. Jahrhundert brachte der venezianische Dichter Catull neu heraus, allerdings aus eigener Feder.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren fiktive Übersetzungen sehr beliebt. 1764 erschien der erste gotische Roman "Il castello di Otranto", angeblich die Übersetzung des italienischen Manuskripts des ausgedachten Schrifstellers Onofrio Muralto, in Wirklichkeit aber ein kluges Falsifikat des englischen Schriftstellers Horace Walpole. Kaum jemand weiß übrigens, dass Daniel Defoe ein Meister der literarischen Mystifizierung war; er schrieb 500 Bücher, unter seinem eigenen Namen brachte er aber nur vier heraus, der Rest wurde verschiedenen erdachten oder historischen Persönlichkeiten zugeschrieben.

Die beliebteste Mysifikation waren die Gesänge des Ossian", denen sogar Puschkin auf den Leim ging, der selbst ein Meister darin war, das Publikum hinters Licht zu führen. Die Verse waren 1760 bis 1763 von dem talentierten englischen Dichter James Macpherson im Namen des schottischen Barden Ossian geschrieben worden, der angeblich im 3. Jahrhundert gelebt haben sollte. Diese Fälschung hatte beim Publikum ungeheuren Erfolg, sie wurde in viele Sprachen übersetzt und hat in der Weltliteratur eine merkliche Spur hinterlassen. Ungeachtet der Entlarvung erklärten Kritiker Macpherson zu einer der wichtigsten Figuren der schottischen Renaissance.

Aber nicht alle Mystifikatoren gingen unbeschadet aus ihrer Entlarvung hervor. Der junge englische Dichter Thomas Chatterton beging Selbstmord, als seine Fälschungen publik wurden. Als Liebhaber alter Bücher schuf er die Gedichte des Mönches Thomas Rowley, der angeblich im 15. Jahrhundert lebte: Die Manuskripte verfasste er auf echtem Pergament aus jener Zeit und schrieb sie mit unleserlicher Handschrift auf Altenglisch. Im Endeffekt kostete diese Spielerei ihm das Leben.

Kurzum: Es gab immer viele Schriftsteller, die den Wunsch verspürten, ihre Zeitgenossen und Kritiker auf den Arm zu nehmen". Dazu gehören solche Weltklassiker wie Prosper Mérimée und William Shakespeare. Alle Mystifikatoren waren ungewöhnlich begabt - nicht nur in der Literatur, sondern auch mit ihrer Fähigkeit, so viele Menschen in die Irre zu führen, indem sie ihr Spiel von der Literatur auf das Leben übertrugen. Dem Publikum hat solch eine Mystifizierung in der Regel nicht geschadet. Der Moment der Enträtselung bereitete dem Leser ein weiteres Vergnügen an dem Buch: Ein guter Spaß ruft stets Begeisterung hervor. Die Dummen waren in der Regel die Literaturwissenschaftler, die den falschen Autoren und gekonnten Imitaten ihre Arbeit gewidmet hatten.



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