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Paul Kraft absolviert Freiwilliges Europäisches Jahr in Russland

Seelow (MOZ) Vorurteile hatte Paul Kraft viele im Kopf, als er für ein halbes Jahr nach Russland ging. Dass aber nicht alles so ist, wie er es in deutschen Medien gelesen hat, lernte der 29-Jährige bei seinem Auslandspraktikum beim Europäischen Freiwilligendienst.

Ein Auslandsjahr ist wie der Beginn einer Liebe. Da ist Aufregung, Leidenschaft, aber da sind auch Bedenken, ob alles so läuft, wie man es sich wünscht. Paul Kraft hat seine Liebe in Russland gefunden. Nein, nicht zu einer Person. Er hat sich in ein Land verguckt. In das Land, das von vielen mit erstens Wodka, zweitens Putin und damit einem Feind der Demokratie, und drittens sibirischer Kälte assoziiert wird.

Heute sitzt er im Seelower Jugendzentrum Frizz. Vor dem Mann, der ihm das Land, der ihm die Stadt Woronesch im Osten Russlands an der Mündung zum Fluss Don empfohlen hat. Vor Kraft und seinem Betreuer Michael Dembowski liegen Geldscheine und allerlei Papiere. Nach drei Monaten nämlich muss Kraft ein neues Visum beantragen. Außerdem bekommt er aus dem Programm Geld für seinen Verbleib in Russland. 90 Euro erhält er pro Monat, dazu kommen noch 300 Euro für die Verpflegung. Die Miete muss er nicht zahlen, die kommt vom Gastland. "Das reicht zum Leben. Viel mehr bekommen die Russen auch nicht an Monatsgehalt", sagt Kraft.In Deutschland hat der 29-Jährige gut verdient, als Lagerist in Mecklenburg-Vorpommern, seiner Heimat, gearbeitet. Dann hat ihn das Fernweh gepackt, die Lust auf Abenteuer, auf den Ausbruch aus dem langweiligen Alltagstrott. Er ging nach Woronesch, versuchte sich dort beinahe ohne Russisch-Kenntnisse an der Uni durchzusetzen. Nach einem Jahr gab er das Studium der Architektur aber auf - dann kam der Europäische Freiwilligendienst.

"Paul ist einer der ältesten bei uns", sagt Michael Dembowski und guckt den 29-Jährigen an. Für ein Stipendium beim Europäischen Freiwilligendienst können sich Jugendliche und junge Erwachsene von 18 bis 30 Jahren bewerben. Zurzeit betreut der Frizz-Mitarbeiter sechs junge Erwachsene, die es ins Ausland gezogen hat. Ein halbes bis ein Jahr bleiben sie in einem Land, in einem Projekt ihrer Wahl.

England und Frankreich sind die beliebtesten Orte. Natürlich, sagt Dembowski, immerhin sind das die Sprachen, die in den Schulen am häufigsten gelehrt werden. Aber für diese beiden Länder gibt es auch die längsten Wartelisten. "Das Land, das ich empfehlen würde, ist Finnland." Dort sei die Kooperation mit den Gastgebern am unkompliziertesten.

Dembowski tippt die Homepage des Europäischen Freiwilligendienstes in den Computer. Es erscheint eine Suchmaske. Dort tippt er das Land der Wahl ein, eine Liste von Organisationen blinkt auf dem Bildschirm auf. Diese bieten zum Beispiel Praktika im kulturellen Bereich, also bei Museen, in Kindereinrichtungen oder im Umweltbereich an.

Paul Kraft hat sich für die Umwelt entschieden, als er damals zu Dembowski ins Büro kam. In einem Ort in der Nähe von Woronesch arbeitet er in einem Naturpark. Morgens und abends, für jeweils eine Stunde, sammelt er Müll auf, den die Camper dort hinterlassen. "Denn die Russen haben noch nicht so ein Umweltverständnis wie die Deutschen." Außerdem stellt er Schilder auf, arbeitet aber auch im Büro des Parks mit angegliedertem Museum. "Dort komme ich auch mit Professoren der Uni in Kontakt, kann mit ihnen diskutieren, von ihnen lernen."

Und das Diskutieren ist dem Mann mit dem Blondschopf ins Blut übergegangen. Natürlich geht es da auch um Putin, seine Politik, um die korrupte Polizei, um die fehlenden Sozialleistungen, um die Armut der Bevölkerung. Aber: "In Russland wird Putin immer wieder gewählt werden, weil er der Bevölkerung Stabilität bietet", sagt er. Kraft sei die Sicherheit auf den Straßen aufgefallen, ein Komfort, den er auf den Berliner Straßen nicht wiederfinde. Aber, sagt der Freiwillige, er habe Glück. Weil er eine weiße Hautfarbe hat. Einer seiner Mitbewohner ist schwarz, und dieser traue sich nachts nur in einer Gruppe auf die Straße. "Wenn er abends unterwegs ist, bleibt er so lange, bis die Sonne aufgeht."

Auch das sei Russland. Aber das Image des Landes sei schlechter als die Wirklichkeit. Zum Beispiel würden die Russen, entgegen der landläufigen Meinung, den Wodka nicht mit der Muttermilch aufsaugen. Es sei verboten öffentlich zu trinken.Die Bierflasche koste einen Euro, das leiste sich keiner.

Und der Ort, in dem er arbeitet, biete eine solch' unentdeckte Naturvielfalt, dass er am liebsten gar nicht zurückwolle. Eine Kreuzotter habe er gesehen, seltene Steppenpflanzen und Murmeltiere. Die Archäologen würden in den Wäldern nach 15 000 Jahre alten Pferden buddeln. "So etwas habe ich in Deutschland nicht erlebt."

Deshalb will er auch nicht zurück in die Heimat, in die Aufgeräumtheit und die Langeweile, die ihn umgeben hat. Bis Februar geht seine Arbeit in dem Europäischen Programm noch. Danach will er sich selbst in Russland durchschlagen. Ohne Job? Ohne Krankenversicherung? Ohne Freunde? Ja, er brauche das einfach, die andere Luft dort. Die Jugendlichen, die sich mit einer Gitarre in den Wald setzen und russische Volkslieder singen. Die minus 32 Grad im Winter, wenn die Männer mit Handschuhen und Wollmützen Fußball spielen. Und den Kwas, ein alkoholfreies Getränk aus Brot, das schmeckt wie Malzbier. "Ich würde den Europäischen Freiwilligendienst jedem empfehlen." Um Selbstbewusstsein zu tanken und sein Leben auch mal zu hinterfragen.


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