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Die fünfte gemeinsame Konferenz der Orthodoxen St.-Tychon-Universität und der Humboldt-Universität zum Thema "Theologie in der modernen Welt"

Vom 19. bis zum 23. Februar hat in Moskau die fünfte gemeinsame Konferenz der Orthodoxen Universität St. Tychon und der Humboldt-Universität zum Thema Theologie in der modernen Welt" stattgefunden. Gegenstand der Diskussion war die Geschichte der Theologie in Rußland und Deutschland und die Besonderheiten der theologischen Ausbildung in beiden Ländern.

Die Delegation aus Deutschland zählte in diesem Jahr 16 Personen, darunter 12 Studenten und drei Professoren. Konferenzen mit deutschen Kollegen werden bereits seit mehreren Jahren veranstaltet, sowohl in Moskau als auch in Berlin. Laut dem Rektor der Orthodoxen Tychon-Universität Wladimir Worobjow hat diese Zusammenarbeit große Bedeutung nicht nur für die Ausbildung und Forschungstätigkeit der Studenten, sondern auch für das gegenseitige Verständnis der zwei Völker.

Auf der Konferenz wurden Probleme der Theologie als Wissenschaft besprochen. Während im Westen die Theologie ein prestigeträchtiges Fach ist, das in einer entfernten Vergangenheit wurzelt, ist sie für Rußland eine neue Disziplin, die in den allrussischen Thesaurus erst 1992 aufgenommen wurde. Die Sowjetische Periode hat durch die Verfolgung des religiösen Lebens die russische humanitäre Wissenschaft und Kultur weit zurückgeworfen. Es liegt auf der Hand, daß Rußlands kulturelle Erfahrung jetzt umzudenken und neu zu bewerten ist.

Braucht man Theologen? Im Westen wird das nicht in Frage gestellt. Braucht man die Theologie in Rußland? Sicher, aber kaum jemand ist sich vorläufig dessen bewußt. Dabei verbindet man gerade mit den Theologen die Hoffnungen auf die Wiederherstellung der Kultur und des geistigen Lebens des Landes. Die Probleme, die auf der Konferenz besprochen werden, sind eine überzeugende Bestätigung dafür.

Das Programm der Jahreskonferenz enthielt diesmal zwei wegweisende Berichte, die am Eröffnungstag von dem Rektor der Tychon-Universität, Erzpriester Wladimir Worobjow und dem Inhaber der Lehrstühle für Ältere Kirchengeschichte und Systematische Theologie der Humboldt-Universität, Dr. der Theologie Notger Slenszka vorgetragen wurden.

Wladimir Worobjow betonte die Wichtigkeit der theologischen Ausbildung für den Erhalt der Kultur, die geistige Wiedergeburt, die Erziehung neuer Generationen und sprach von den Problemen, mit denen die Theologie in Rußland konfrontiert wird. Insbesondere haben die deutschen Theologiestudenten die Gelegenheit, ihre akademische Bildung als Doktoranden fortzusetzen, während den russischen Studenten dieser Weg noch nicht offen ist, da die Theologie in Rußland offiziell immer noch nicht als Wissenschaft anerkannt ist. Nachdem sie das Magister-Diplom bekommen haben, können sie nur im Ausland als Theologen weiterarbeiten. Wenn sie dagegen die akademische Weiterbildung in Rußland wählen, sehen sie sich gezwungen, ihre Promotions- und Habilitationsarbeiten in benachbarten Disziplinen zu verteidigen, wie etwa Philologie, Geschichte, Philosophie u. a. m. Es liegt daran, daß in der Liste der akademischen Berufe das Fach Theologie fehlt. Wladimir Worobjow betonte:

Dieses Problem hat eine lange Vorgeschichte, wir arbeiten bereits seit vielen Jahren, um die Aufnahme der Theologie in die Liste der wissenschaftlicher Berufe durchzusetzen. Es sei betont, daß die Mehrheit der Wissenschaftler, Akademiker und hervorragender Repräsentanten von Hochschulen das positiv sieht. Aber die Situation wurde von dem Appell der 10 Akademiemitglieder mit dem inzwischen verstorbenen Akademiemitglied Ginsburg an der Spitze erschwert. Es hieß, die Theologie sei keine Wissenschaft, die Wissenschaft, die mit Tatsachen und logischen Beweisen arbeitet, sei nicht mit der Theologie zu verwechseln, die nur auf dem Glauben basiert. Aber in der letzten Zeit, vor allem nach dem Treffen unseres Präsidenten mit dem Hochheiligen Patriarchen, hat sich die Lage verbessert. Das Ministerium für Bildung kommt uns entgegen."

Die Theologie kann in Rußland bereits im April 2010 zum vollwertigen wissenschaftlichen Beruf werden. Es ist bereits der sog. wissenschaftliche Paß" verfaßt, in dem einzelne Teilbereiche der Theologie sowie die Anforderungen an das Fach beschrieben sind. Schon im Dezember wurde das Dokument zur Genehmigung an die Russische Akademie der Wissenschaften, den Russischen Rektorenverband und an die Oberste Attestationskommission des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft weitergeleitet. Der wissenschaftliche Paß" ist schon fast mit allen vereinbart und wird bald dem Minister für Bildung und Wissenschaft Andrej Fursenko zur Unterschrift vorgelegt. Der in Vorbereitung befindliche Standard ist multikonfessionell.

Die deutschen Studenten meinten, nachdem sie den Bericht von Wladimir Worobjow gehört hatten, daß die Information zu den Problemen der Religion in Rußland für sie neu und interessant war. Hier seien akutere Probleme zu lösen, man merke, daß es für die Russen noch ein Kampf sei.

Der Professor Heinz Ohme, der die deutsche Delegation leitet, ist Doktor der Theologie, Inhaber des Lehrstuhls für Ältere Kirchengeschichte des Theologischen Instituts der Humboldt-Universität Berlin. Es ist nicht mehr das erste Mal, daß er die Sankt-Tychon-Universität zur Besprechung der Probleme der theologischen Bildung besucht. Am Vorabend der Eröffnung der Konferenz betonte Prof. Ohme, daß die Theologie von der Gründung der Humboldt-Universität an zu ihren führenden Fächern gehörte:

Heinz Ohme: Unsere Universität feiert in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag. Die Humboldt-Universität ist eine Reform-Universität vom Anfang des 19. Jahrhunderts gewesen und hat wesentliche wissenschaftliche Maßstäbe für die Universität der Moderne geschafft. Das wissenschaftliche Niveau und das wissenschaftliche Arbeitsmuster, das im 19. Jahrhundert an der Humboldt-Universität entwickelt wurde, ist weltweit exportiert worden. Dieses wissenschaftliche Programm, von Anfang an, seit 1810, dieses Programm ist wesentlich ausgearbeitet worden von einem bedeutenden evangelischen Theologen des 19. Jahrhundert. Er heißt Daniel Ernst Friedrich Schleiermacher. Und mit dieser Neugründung, der Berliner Universität ist die Theologie mit Selbstverständlichkeit vom Anfang an als eine wissenschaftliche Disziplin in der Uni integriert. Sie wissen, dass die Gründung von Universitäten seit dem 13. Jahrhundert ein wesentlicher Impuls Theologie gewesen ist. Das ist auch auch mit der wissenschaftlichen Ausdifferenzierung des 19. Jahrhunderts in allen Disziplinen nicht verändert worden. Das ist nicht nach der deutschen Revolution 1918 und das ist nicht nach dem Zweiten Weltkrieg verändert worden. Das heißt, die Frage, ob es möglich ist, dass die Theologie ein wissenschaftliches Niveau erreicht, das Promotionen und Habilitationen rechtfertigt, kommt und absurd vor.

Der Dr. Notger Slenszka verwies seinerseits darauf, daß in Deutschland nicht in Frage gestellt wird, ob die Theologie eine Wissenschaft sei: an dieser Disziplin ist vor allem der Staat interessiert.

Notger Slenszka: Vielleicht noch ein weiterer Satz zu der Frage, worum ist es eigentlich bei uns zu selbstverständlich theologische wissenschaftliche Fakultät an der Universität gibt. Ich muss dazu sagen, es ist ein Interesse des Staates, dass es wissenschaftliche Fakultäten gibt. Der Staat muss ein Interesse daran haben, dass eine Glaubensgemeinschaft oder dass die Glaubensgemeinschaften, die ein Anhang in der Bevölkerung haben, sich in ein Verhältnis setzen zur modernen Welt und sich auseinander setzen mit der Weltsicht der Modern. Und dieses Interesse des Staates schlägt sich beispielsweise im Moment daran nieder, dass es Bemühungen gibt, islamische Fakultäten an staatlichen Universitäten in Deutschland einzurichten. Diese Bemühungen gehen vom Staat aus. Und für jüdische Fakultäten gilt dasselbe."

Vor kurzem wurde in Deutschland gerade eine neue Erklärung des Rates für theologische Fragen angenommen und veröffentlicht. Aber in dieser Publikation wurde die Frage nach der Wissenschaftlichkeit der Theologie nicht einmal aufgeworfen. Die Empfehlungen des Rates richteten sich darauf, neben der evangelischen und katholischen Theologie auch die religiöse Bildung im Judaismus und im Islam zu ermöglichen.

Prof. Heinz Ohme unterstrich, daß die Fragen rund um die Religion nach wie vor aktuell sind. Die Verantwortung dafür, daß sie in der Öffentlichkeit vernünftig besprochen werden können, tragen alle Staaten Europas. Aber Rußland trägt laut Hrn. Ohme eine noch größere Verantwortung:

Heinz Ohme: Die These, dass die Religion eine absterbende Wirklichkeit sei, ist ja völlig überholt. Wir leben in globalen Herausforderungen, die wesentlich religiös motoviert sind. Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, dass alle Fragen der Religion auf einem wissenschaftlichen, vernünftig kommunizierbaren Niveau behandelt werden. Und ich denke, Russland hat ja eine besondere Verantwortung, weil in der Russischen Föderation viele Religionen zusammen leben. Russland könnte eine Vorreiterrolle bekommen. Das wünschen wir uns von Russland."

An den nachfolgenden Konferenztagen präsentierten auch die Studenten beider Hochschulen ihre Berichte. Die angehenden Theologen diskutierten Fragen rund um Spiritualität, Äthik, Moral und Barmherzigkeit in der modernen Gesellschaft. Der Vortrag der Studenten der Universität St. Tychon war der Geschichte der orthodoxen Bildung und Wissenschaft in Rußland vom . bis zum frühen . Jh. gewidmet. Sie gestalteten eine Übersicht über die historische Entwicklung der kirchlichen Gelehrsamkeit beginnend mit den Zeiten des Fürsten Wladimir und bis hin zur Tragödie von 1917. Die Berichterstatter verfolgten die unterschiedlichen Auswirkungen der historischen Umstände auf die Stellung der Kirche und Theologie in Rußland. Es kam heraus, daß die russische Theologie, indem die Errungenschaften verschiedener ausländischer Schulen übernahm, ihre eigene Tradition gegründet hat, die einmalig und aktuell bleibt. Des weiteren erzählten die Studenten von der kirchlichen Bildung und Wissenschaft des XIX. und frühen XX. Jhs. Einerseits wurde damals die Theologie in den Kirchenschulen gepflegt, deren Aufgabe in der Heranbildung junger Männer für den Kirchendienst lag, aber die Theologie war auch an den Universitäten präsent, wobei sie die weltanschauliche Grundlage bildete, die für die Forschung in jedem Wissensbereich erforderlich ist. Es wurden die wichtigsten Grundsätze beleuchtet, die bei den Projekten zur Gründung geistlicher Bildungseinrichtungen Anwendung fanden.

Die Studenten von der Humboldt-Universität haben eine Vortragsreihe über die Sicht einzelner Wissenschaftler auf die Theologie gestaltet. Insbesondere wurde dem Bericht Eilert Herms: Das Selbstverständnis der Wissenschaften heute und die Theologie" der Artikel "Das Selbstverständnis der Wissenschaften heute und die Theologie" aus dem Buch von E. Herms Kirche für die Welt. Lage und Aufgabe der evangelischen Kirchen im vereinigten Deutschland" aus dem Jahre 1995 zu Grunde gelegt. Der lutherische Theologe weist, bevor er auf das Verhältnis der Theologie zur Wissenschaft zu sprechen kommt, auf den grundlegenden Wandel in der heutigen Auffassung der Wissenschaft hin, im Vergleich zu den Vorstellungen, die vor der Neuzeit vorherrschten. Früher beanspruchte nämlich die Wissenschaft für sich eine unbestreitbare und intersubjektive Wahrheit, heute hat sie dagegen nicht mehr die Gestaltung der Wirklichkeit zum Ziel, sondern wird eher von ihr bedingt. Die Theologie als der äußere Ausdruck der inneren Glaubenserfahrung unterscheidet sich unter diesem Gesichtswinkel nicht grundsätzlich von allen anderen Fachgebieten. Die Ansichten von E. Herms zusammenfassend, stellten die Referenten fest: Somit kann die Theologie beliebige kritische Fragen bezüglich ihrer Wissenschaftlichkeit ganz leicht beantworten".

Auf Wunsch der deutschen Delegation wurde neben den Stadtrundfahrten durch Moskau ein Ausflug nach Jasnaja Poljana organisiert. Dort fand eine Reihe von Gesprächen über die Einstellung des Schriftstellers Lew Tolstoi zur Religion statt.

Der Erzpriester Wladimir Worobjow betonte, daß die Zusammenarbeit zwischen der orthodoxen Universität St. Tychon und der Humboldt-Universität nicht nur für den Bildungs- und Forschungsprozeß, sondern auch für die Verbesserung der Verständigung zwischen den Völkern große Bedeutung hat. In diesem Frühling wird die Universität St. Tychon den Rektor der Humboldt-Universität bei sich empfangen. Es soll ein umfassender Vertrag über die Zusammenarbeit zwischen den zwei Universitäten unterzeichnet werden.


Quelle: "Stimme Russlands"

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